trend-Ranking: Die 100 reichsten Österreicher

Österreichs Reiche sind wieder ein Stück Reicher geworden - Dank Börsenboom und steigender Immobilienwerte. Ihr Vermögen ist das Erbe von morgen.

Mehr Schlagzeilen als über den österreichischen Clan der Porsches und Piëchs, der mit seinen Anteilen sowohl die gleichnamige Luxuskarossen-Schmiede sowie den VW-Konzern kontrolliert, hat es über keine der schwerreichen Unternehmerfamilie in den vergangenen Wochen und Monaten gegeben. Jede ihrer Äußerungen oder Weigerungen, etwas beizutragen, wurde zitiert, kommentiert und interpretiert. Im Fokus stand dabei Ferdinand Piëch, 78 Jahre alt und Enkel des Urvaters von Volkswagen, Ferdinand Porsche, nachdem er mit einem einzigen kurzen Satz einen spektakulären Machtkampf in Deutschlands größtem Automobilkonzern ausgelöst hatte. Er selbst verabschiedete sich in der Folge aus dem VW-Aufsichtsrat; auch seine Frau Ursula legte ihr Mandat nieder. Sein um sieben Jahre jüngerer Cousin Wolfgang Porsche ist hingegen weiterhin im Kontrollgremium vertreten.

Der Machtkampf bei VW ist auch ein Familiendrama. Und zwar das Drama einer schwerreichen Dynastie. Seit Jahren dominieren die Porsches und die Piëchs die trend-Liste der 100 reichsten Österreicher. Dabei legen sie großen Wert auf die Feststellung, dass ihnen das Vermögen, das sich heuer auf schätzungsweise 65 Milliarden Euro beläuft, nicht direkt zuzurechnen sei, da es sich - wie übrigens bei vielen anderen auch - um Stiftungsvermögen handle. Im Ranking ab Seite 22 wird daher heuer erstmals für jeden Rangplatz ausgewiesen, ob eine Erbschaft dazu geführt hat, Stiftungen dahinter stehen oder der Reichtum aus Unternehmensbeteiligungen stammt - wie etwa bei Red Bull-Eigentümer Dietrich Mateschitz, dem Zweitplatzierten. Sein Wohlstand summiert sich zwar auf vergleichsweise niedrige 7,6 Milliarden Euro, diese kann er aber in aller Ruhe und ohne öffentlich zur Schau getragene Machtkämpfe genießen. Denn es gibt kaum einen Milliardär, der weniger aktiv kommuniziert als er.

Erfolgreich erben. Die Familie Flick, die den dritten Rang belegt, kommt auf geschätzte 7,2 Milliarden Euro. Ihr Reichtum entstammt - wie der zahlreicher im Ranking vertretenen Namen - einer Erbschaft. Manche Erbschaften liegen allerdings bereits Generationen zurück, und die aktuell in der Verantwortung stehenden Nachkommen haben oftmals selbst einen wichtigen Beitrag geleistet, den geerbten Reichtum weiter zu vergrößern. Insbesondere dann, wenn er in Form eines Unternehmens daherkam. Der Aufstieg der Familie Swarovski ist eines der bekanntesten Beispiele für diese Art der Wohlstandsvermehrung. Andere Vermögen gehen hingegen ausschließlich auf Erbschaften zurück, etwa jenes von Heidi Horten (3,5 Milliarden Euro) oder der Familie Karajan (0,54 Milliarden Euro). Wie die Zunahme des Erbvermögens die österreichische Gesellschaft in den nächsten Jahren verändern wird und welche individuellen Überlegungen Erblasser und Erben mit diesem Thema verbinden, lesen Sie übrigens ab Seite 26.

Der Großteil des Reichtums ist aber nach wie vor eigener Leistung zu verdanken. Durch unternehmerisches Geschick, technische Begabung oder kluge Veranlagung finden sich in der Liste zahlreiche Persönlichkeiten, denen es aus eigener Kraft gelungen ist, sich einen Platz im Ranking zu sichern - und diesen zu halten oder sogar zu verbessern.

Reiche werden reicher. In Summe vereinen die 100 reichsten Österreicher heuer ein geschätztes Gesamtvermögen von rund 170 Milliarden Euro auf sich. Dieser Wert entspricht mehr als der Hälfte des jährlichen Bruttoinlandsproduktes dieses Landes. Allein das Vermögen der 31 Milliardäre beläuft sich auf rund 140 Milliarden Euro, was ein Plus von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Die Top Ten der Superreichen konzentrieren gar 108 Milliarden auf sich.

Die Entwicklung in Österreich folgt damit dem globalen Trend, dass die Reichen immer reicher werden. Der vor Kurzem veröffentlichte "Wealth Report 2015“ des Londoner Beratungsunternehmens Knight Frank zählt 172.850 Superreiche, die in Summe rund 20,8 Billionen Dollar auf sich vereinen und somit im Laufe eines Jahres um 700 Milliarden Dollar reicher geworden sind. Über die Hälfte von ihnen sind bisher in Europa (60.565 Personen) oder den USA (44.922) beheimatet. Diese starke Konzentration des Reichtums auf die alte Welt wird sich aber laut Knight Franks in der nächsten Dekade weiter Richtung Asien verschieben. Dort gibt es schon heute fast so viele Superreiche - also Personen mit 30 Millionen Dollar und mehr - wie in den USA; auch bei den summierten Vermögenswerten können die Asiaten mehr als mithalten.

Für die nächste Dekade rechnet der "Wealth Report“ mit einer weiteren Zunahme der Zahl der Superreichen. Bis 2024 prognostizieren die Experten von Knights Frank einen Anstieg um rund 34 Prozent, getrieben vor allem durch den wachsenden Wohlstand in Asien, Lateinamerika und Afrika.

Gute Rahmenbedingungen. 2014 war jedenfalls ein positives Jahr für Millionäre in den hochentwickelten Industrieländern wie Österreich. Die weltweite wirtschaftliche Erholung, die niedrigen Leitzinsen in den USA und der Eurozone sowie die unkonventionellen Maßnahmen der EZB führten zu einer Fortsetzung der Börsenrallye. Zwischen Ende Mai 2014 und Anfang Mai 2015, dem Beobachtungszeitraum für das trend-Ranking, legte der DAX um 16 Prozent zu, der MSCI-World immerhin um zehn Prozent. Lediglich der ATX schaffte in dieser Zeit nur ein mageres Plus von zwei Prozent. Aber auch hier gab es einige Unternehmen, die deutlich besser abschnitten und dazu beitrugen, den Reichtum ihrer Besitzer zu mehren.

Parallel dazu zogen die Immobilienpreise, eine Assetklasse, in die auch viele Reiche veranlagen, weiter an. Österreichweit stiegen die Real-Estate-Preise 2014 im Schnitt um 3,5 Prozent. Im Wiener Luxussegment pendelten sich die Preise auf hohem Niveau ein, was Eugen Otto, Eigentümer der Otto Gruppe, vor allem auf die Ukraine-Krise und den Rubel-Verfall zurückführt, wodurch viele Kunden aus Russland wegblieben.

Von den stabilen bis steigenden Immobilienpreisen und der Börsenrallye haben so gut wie alle Österreicher profitiert. Zu den Gewinnern (siehe auch Tabelle oben rechts) dieses Rankings gehören unter anderem mit Maria-Elisabeth Schaeffler, der Familie Zumtobel und dem Porr-CEO Karl-Heinz Strauss gleich mehrere Eigentümer börsennotierter Konzerne, die ihren Wert deutlich steigern konnten. Andere Familien wie die ehemalige Schotter-Dynastie der Asamers konnte sich ihrem Vermögensverlust hingegen nicht ausreichend entgegenstellen und mussten ihren Listenplatz an erfolgreichere Millionäre abtreten. Davon betroffen war auch die Industriellenfamilie Lisec aus Niederösterreich. Der ärmste unter den Reichen ist heuer Karlheinz Essl, dem es zumindest gelang, seine Kunstsammlung dank der Unterstützung von Strabag-Eigentümer Hans-Peter Haselsteiner (1,16 Milliarden Euro) in großen Teilen zu retten.

Name

Unternehmen, Aktivitäten

Vermögen

in Mrd. Euro
1 Porsche & Piëch, Familien Beteiligungen Porsche, VW, Finanzanlagen, Immobilien 65,000
2 Mateschitz, Dietrich Red Bull GmbH (49 Prozent) 7,600
3 Flick, Familie Finanzvermögen aus Erbe nach Friedrich Karl Flick 7,200
4 Graf, Johann Novomatic AG (92 Prozent) 5,250
5 Wlaschek, Karl † Ex-Billa-Eigentümer, Immobilienvermögen 4,700
6 Schaeffler Maria-Elisabeth Schaeffler AG (Wälzlager), Continental AG (Reifen) 4,160
7 Swarovski, Familie Glas-, Kristall-, Optik-, Schleifmittelkonzern 4,100
8 Stronach, Frank Verkauf Magna-Anteile, Immobilien, Pferdesport 4,050
9 Horten Heidi Vermögen aus Erbe nach H. Horten 3,500
10 Kaufmann, Michael, Christian, Andreas Erben nach H. Kaufmann, Billerud, Leica 2,630