Die 100 reichsten Österreicher

Reich werden und reich bleiben ist deutlich schwieriger geworden. Volatile Kapitalmärkte haben auch die vermögendsten Österreicher nach vielen Jahren mit starken Zuwächsen getroffen, wie das trend-Ranking zeigt.

Wenn, was nicht so oft passiert, aus der Zentrale von Red Bull in Fuschl Nachrichten nach außen dringen, dann meist Superlative. Mal wird der Einzug des bekanntesten Werbeträgers in Deutschland, des Fußballklubs Leipzig, in die erste Bundesliga gefeiert. Mal der jüngst heimlich gestartete Probelauf des aktuellen Lieblingsprojekts von Dietrich Mateschitz, des globalen Fernsehsenders Red Bull TV nämlich, angedeutet.

Und fast schon obligat ist die Meldung über die jüngsten Rekorde rund um den Energydrink. 2015 war mit sechs Milliarden verkauften Dosen und einem Umsatzplus von über 15 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro das absolut beste Jahr der Unternehmensgeschichte. Red-Bull-Gründer Mateschitz hat damit seinen zweiten Platz auf der heurigen trend-Liste der 100 reichsten Österreicher (siehe Tabellen Seiten 69 und 71) nicht nur einzementiert, sondern seinen Vorsprung auf die Nummer drei, Ingrid Flick, auf fast eine Milliarde Euro ausgebaut.

Anfang Mai 2016 entfachte der Ober-Bulle mit einer grimmigen Entscheidung einen regelrechten Sturm im Wasserglas der heimischen Medienlandschaft. Sein Privatsender ServusTV, eine Art Experimentierlabor für die weltweiten Fernseh-Ambitionen, sei "wirtschaftlich untragbar“ geworden und werde daher seinen Betrieb einstellen.

Tatsächlicher Hintergrund: Eine Mitarbeiter-Splittergruppe hatte laut über die Gründung eines Betriebsrates nachgedacht, was der Boss gar "nicht hilfreich“ fand. Tags darauf versicherten über 200 Servus-TV-Beschäftigte in einem offenen Brief: "Wir wollen und brauchen keinen Betriebsrat.“ So fand der Spuk ein schnelles Ende, der Sender darf weiter senden, und Mateschitz hat ein für alle mal klargemacht, wer bei Red Bull das Sagen hat.

Minus 30 Milliarden Euro. Womöglich hat er bei diesem Erstschlag gegen gewerkschaftliches Begehr an jenen Einfluss gedacht, mit dem mächtige Betriebsräte in so manch anderen Unternehmen die Eigentümer daran hindern, nach Belieben zu schalten und zu walten. Zum Beispiel bei VW. Dessen Eigentümerfamilien, Porsche und Piëch, mit ihren Stiftungen seit Jahren auf Platz eins der trend-Rich-List, haben seit Mai 2015 durch den Absturz der Volkswagen-Aktie in Folge der Abgasaffäre fast 30 Milliarden Euro des Stiftungsvermögens verloren: minus 40 Prozent. Bereits zuvor war ihr wichtigster Vertreter im Aufsichtsrat, Ferdinand Piëch, nach einem Machtkampf mit Ex-VW-General Martin Winterkorn aus dem Kontrollgremium ausgeschieden.

Angesichts des Abgasfiaskos und der dahinschwindenden Milliarden hatten die Porsches und Piëchs diesen Frühling mit einem komplizierten aktienrechtlichen Manöver versucht, das Vetorecht ihres Miteigentümers, des Landes Niedersachsen (20 Prozent), auszuhebeln und so wieder mehr Einfluss in Europas größtem Autokonzern zu erlangen. Allein: Das Ansinnen scheiterte an den zehn Gegenstimmen der Arbeiternehmer-Vertreter im VW-Aufsichtsrat.

So teilen die beiden vermögendsten Familien des Landes - verschärft durch den Verfall des VW-Börsenwertes - heuer das Schicksal von vielen Superreichen weltweit. Erstmals seit Jahren sind sie wegen der im trend-Beobachtungszeitraum (Mai 2015 bis Mai 2016) extrem volatilen Aktienmärkte - allein das Minus des MSCI-World lag bei acht Prozent - sowie des taumelnden Ölpreises, der zeitweise unter 30 Dollar gefallen ist, nicht reicher, sondern "ärmer“ geworden.

Weniger Superreiche. Seit Ausbruch der Finanzkrise haben die einschlägigen Research-Häuser Boston Consulting Group, Capgemini und Hurun immer wieder gebetsmühlenartig die gleiche Nachricht verkündet, dass nämlich die Zahl der Superreichen erneut gestiegen ist. Doch heuer ist alles anders. Das zeigt ein Blick in den jüngsten "Wealth Report“ des Londoner Beratungsunternehmens Knight Frank, der traditionell den Auftakt in die aktuelle Berichtssaison macht. Zum ersten Mal seit dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehmann Brothers ist die Zahl der Superreichen geschrumpft. Insofern stellt das Jahr 2015, auf das sich die Daten beziehen, einen Wendepunkt in der Statistik dar. Insgesamt 6.000 Personen oder drei Prozent verloren vergangenes Jahr ihren exponierten Status als sogenannte Ultra High-Net-Worth Individuals (UHNWIs), besitzen also weniger als die dafür veranschlagten 30 Millionen Dollar frei verfügbares Nettovermögen.

Dabei handelt es sich nicht um ein regionales Phänomen, das sich auf gebeutelte Länder wie Russland (Ölpreis) oder Brasilien (Beinahe-Pleite, politische Krise) beschränkt. Sondern um eins, das 57 von 91 untersuchten Staaten weltweit betrifft, darunter auch Österreich. Die etwas dezimierte Gruppe der hiesigen Superreichen beziffern die Experten mit exakt 808 Personen. In der weltweiten Millionärs-Erfassung spielt die Alpenrepublik damit allerdings so gut wie keine Rolle.

19,3 Billionen Vermögen. Nach wie vor heißt der absolut reichste Mensch der Welt Bill Gates. Der Microsoft-Gründer kommt auf ein Vermögen von 80 Milliarden Dollar und ist mehr als zweimal so reich wie die durch den VW-Skandal stark in Mitleidenschaft gezogenen Familien Porsche und Piëch.

Über den Globus verteilt leben laut "Wealth Report“ rund 187.500 Superreiche, die in Summe 19,3 Billionen Dollar angehäuft haben. Viele von ihnen sind in den USA zu Hause. Aber auch Europa ist weiterhin beliebt, wird allerdings bis 2025 von Asien überholt werden.

Die kommende Dekade ist aber auch noch in anderer Hinsicht interessant. So zeigt sich in der Prognose, dass das Jahr 2015 wohl nur ein kleiner Vermögensdämpfer war, der langfristige Wachstumstrend aber intakt bleibt. Weltweit wird die Zahl der Superreichen bis zum Jahr 2025 weiter zulegen, wenngleich das Plus mit 41 Prozent etwas geringer ausfallen wird als zwischen 2005 und heute.

Spannend ist zudem, für welche Länder die höchsten Wachstumsraten vorausgesagt werden: Es sind Vietnam (140 Prozent), Mozambique (129 Prozent) und Indien (105 Prozent). Aus Europa sind nur Großbritannien mit einer Superreichen-Wachstumsrate von 30 Prozent und die Schweiz mit zwölf Prozent vertreten - was beide Staaten nicht nur dem Fleiß ihrer Unternehmer, sondern wohl auch einer ausgeprägt liberalen Wirtschaftsordnung verdanken.

Licht und Schatten. In Österreich hingegen sind die Rahmenbedingungen, um sein Vermögen zu mehren, nach wie vor alles andere als rosig: Die Zinsen liegen im Keller, die Immobilienpreise haben sich eingebremst, der ATX ist im trend-Beobachtungszeitraum um rund zehn Prozent gesunken. So schnitt er zwar leicht besser ab als der DAX, der um zwölf Prozent nachgab, aber wie fast überall auf der Welt war es hierzulande heuer deutlich schwieriger als in den Vorjahren, das eigene Besitztum zu bewahren. Einige mussten sogar deutliche Verluste in Kauf nehmen.

Zu den Absteigern 2016 gehört der erfolgsverwöhnte Mehrheitseigentümer von L’Occitane, Reinold Geiger. Seine an der Hongkonger Börse notierende Kosmetik-Gruppe büßte vergangenes Jahr etwa 40 Prozent ihres Börsenwertes ein, wodurch Geiger in der heurigen trend-Liste gleich um 15 Plätze nach hinten rutschte. Ebenfalls unerfreulich war die Vermögensentwicklung für Österreichs einzigen Reeder von Weltformat, Helmut Sohmen. Er ist um etwa 300 Millionen Euro weniger wohlhabend geworden. Da seine zwei börsennotierten Konzernunternehmen, BW-LPG und BW-Offshore, dramatisch an Wert eingebüßt haben, hat er den für Herbst 2015 geplanten Börsengang seines dritten Standbeines, BW-Pacific, vorsorglich abgeblasen. Auch dem Vorarlberger Licht-Spezialisten Zumtobel gelang es nach einem Hoch im Sommer nicht, den Rückgang des Aktienkurses zu stoppen.

Ernüchternde Börsenerfahrungen hat auch Maria-Elisabeth Schaeffler machen müssen, die Prinzipalin des großen deutschen Autozulieferers, der 2009 den noch viel größeren Reifenhersteller Conti übernommen hat. Weil die Conti-Aktie 2015 deutlich gefallen ist, und infolge des VW-Abgasskandals lag die Bewertung beim Schaeffler-Börsengang - das IPO wäre sogar fast abgesagt worden - weit unter den ursprünglichen Erwartungen der Analysten. Dennoch ist die Schaeffler-Gruppe eine erstaunliche Erfolgsstory, und der Vermögensrückgang bei der Grande Dame liegt auch an familieninternen Anteilsverschiebungen (siehe Story Seite 72).

Wo Schatten ist, da ist auch Licht. Über ein deutlich größeres Vermögen konnten sich die Industriellenfamilien Greiner aus Oberösterreich, Lehner aus Vorarlberg und Breiteneder aus Wien freuen. Sowohl die Unternehmen der Greiner- als auch die Lehner-Gruppe, beide traditionsreiche Global Player bei Hightech-Kunststoffen, haben in ihren jüngsten Geschäftsjahren jeweils Rekordergebnisse vorgelegt. Bettina Breiteneder, Erbin eines Garagenkönigs, wiederum spielten die wenigstens noch moderat gestiegenen Bewertungen für Immobilien in die Hände.

Die Newcomer. Immer wieder schaffen es auch einige junge Investoren, zu großem Reichtum zu kommen. Vor Jahren war das René Benko, der zwischenzeitlich an den Top Ten streift. Heuer kam etwa Hans Thomas Gross, Sohn des früheren steirischen SPÖ-Vizelandeshauptmanns Hans Gross, neu in die trend-Liste. Seinen geschickt aufgezogenen Informationsdienst für Sportwetten hat er 2012 für rund 200 Millionen Dollar verkauft. Als regelmäßiger Besucher der Filmfestspiele in Cannes, wohin er auch mit Ex-Freundin Paris Hilton auf seiner 30-Millionen-Dollar-Yacht schipperte, ist er wahrscheinlich bereits einem weiteren heimischen Neo-Reichen über den Weg gelaufen - dem bislang kaum bekannten Wiener Immobilien-Tycoon Klemens Hallmann (siehe Story Seite 78). Der ist seit seiner Liaison mit Germany’s next Topmodel Barbara Maier ebenfalls Stammgast in der Yellowpress.

Deutlich leiser tritt der dritte Neuzugang des trend-Rankings auf, der Investor Toto Wolff. Als Mercedes-Motorsportchef hat er auch ohne Personality-Show genug Publicity.

Die Bewertung

Die in der Liste der 100 reichsten Österreicher angegebenen Beträge spiegeln drei unterschiedliche Vermögensarten wider: Stiftungsvermögen wie beispielsweise bei den Familien Porsche & Piëch - auch heuer wieder die unangefochtenen Ranglisten-Spitzenreiter. In sehr vielen Fällen handelt es sich um Beteiligungsvermögen, also direkt gehaltene Aktien oder Unternehmensanteile. An dritter Stelle folgen dann die Erbschaftsvermögen. Vielfach gehen die Vermögen auf eine Kombination dieser Varianten zurück.

Die Berechnung der Liste wurde mit Hilfe verschiedenster Methoden erstellt: Die Werte beruhen einerseits auf den über die vergangenen Jahre erfolgten Erhebungen des trend. Zusätzlich wurden weitere Quellen (etwa vom Research-Haus Hurun oder dem britischen Immobilienexperten Knight Frank) herangezogen. Auf Basis von Recherchen bei Vermögensverwaltern oder Privatbanken wurde die Wertentwicklungen in den verschiedenen Anlagekategorien während der letzten zwölf Monate berücksichtigt. Bei börsennotierten Unternehmen wiederum wurde der Börsenwert der Beteiligungen mit Anfang Mai 2015 herangezogen. Bei nicht börsennotierten Betrieben wurden der Umsatz und/oder das Ebit mit einem je nach Branche entsprechenden Multiple zum Unternehmenswert hochgerechnet und dann mit einer Mittelwertanalyse nach dem Schweizer und dem Stuttgarter Verfahren verglichen. Trotz dieser gründlichen Methodik können die Vermögensbeträge aber letztlich nur Schätzungen darstellen.

Name

Unternehmen, Aktivitäten

Vermögen

in Mrd. Euro
1 Porsche & Piëch, Familien Beteiligungen Porsche, VW, Finanzanlagen, Immobilien 35,400
2 Mateschitz, Dietrich Red Bull GmbH (49 %) 8,250
3 Flick, Familie Finanzvermögen aus Erbe nach F.K. Flick 7,350
4 Graf, Johann Novomatic AG (92 %) 5,400
5 Wlaschek, Familie Erben nach Karl Wlaschek, Immobilienvermögen 4,900
6 Swarovski, Familie Glas-, Kristall-, Optik-, Schleifmittelkonzern 4,200
7 Stronach, Frank Verkauf Magna-Anteil, Immobilien, Pferdesport 4,150
8 Horten, Heidi Vermögen aus Erbe nach H. Horten 3,550
9 Kaufmann, Michael, Christian, Andreas Erben nach H. Kaufmann, Billerud, Leica 2,540
10 Schlaff, Martin Finanzinvestor (z. B. RHI AG, ca. 30 %) 2,470